23 Jahre alt und im Kloster?!

Gemeinschaftsleben.

Das ist mehr als eine Wohngemeinschaft.

Mehr als „nur“ zusammen leben.

Mehr als nebeneinander leben.

Was ist das denn? Gemeinschaftsleben?

Kann das überhaupt gelingen?

Ein realistischer Blick in meine Gemeinschaft:

Altersmässig viele Urgroßmütter. Großmütter. Wenige Mütter.

Und wir. Drei U40.

Hm. Ich, eine U30.


In letzter Zeit treffe ich immer wieder auf Menschen, denen mein religiöses Leben ganz fern ist.

Die einen hören in meiner Gegenwart zu fluchen auf, die anderen haben sehr viel Respekt vor mir, wieder andere lassen mich eher spüren, dass ich nicht so ganz normal sen kann, wenn ich diesen Weg gehe.

Hm.

Ich frage mich immer wieder, wie das Bild vom Ordensleben in den Köpfen der anderen ist.

In den Köpfen anderer? Oder in meinem? Im Kopf meiner Mitschwester? Jünger, älter?

Egal. Es gibt so viel verschiedene Bilder vom Ordensleben oder Kloster wie es Menschen gibt meiner Erfahrung nach.

Welches Bild präge ich?


Ich denke, es ist sehr wichtig zu bedenken, dass ich nur ein Bild von meinem persönlichen Leben nach außen trage. Es gibt wenig junge Schwestern. Und jede lebt anders. Jede hat einen anderen Schwerpunkt, jede hat eine eigene Geschichte.


DAS Ordensleben gibt es nicht. Jede Ordensgemeinschaft ist anders. Jede junge Schwestern ist anders. Jede ältere Schwester ist anders. Und meine ganze Gemeinschaft ist nicht wie ich. Ich bin nicht meine ganze Gemeinschaft. Nur ein Teil davon.

Nun, für mich ist Medienarbeit wichtig, meine bunten Schals sind mir wichtig, und sehr viel persönlicher Kontakt, das ist für mich am wichtigsten.

Und doch möchte ich auch nicht auf einen gewissen grünen Schal reduziert werden. 🙂

Wenn ich Bilder von den Schwestern meiner Gemeinschaft betrachte, fällt mir immer wieder auf, dass wir überhaupt nicht gleich angezogen sind. Jede ist anders. Schwarz, grau, weiß, Schals in allen Farben, Schwestern, die mit oder ohne Ordenskleid unterwegs sind….


(Okay, keine Schals auf diesem Foto….war wohl ein heißer Tag 🙈😆)

„Die andere in ihrer Persönlichkeit, in dem was ihr wichtig ist, und vor allem in ihrem Alter achten. “

Der Schlüssel zum Gemeinschaftsleben?

Nein, der Schlüssel ist mehr.

Der Schlüssel dafür ist unser Glaube, der diese Achtung voreinander erst möglich werden lässt.

Ich bin überzeugt, ohne unseren Glauben wäre das nicht möglich.

„Mit Christus an der Seite der Menschen“ ist unser Charisma.

Mit Christus.


Ich möchte jetzt eine Erfahrung mit dir teilen, und es ist wichtig, dass du bedenkst, dass diese Erfahrung die meinige ist.

Mein Konvent besteht aus drei Schwestern, die beiden Schwestern im eher vorgerückten Alter und ich mit 23.


Wie kann denn das gelingen?

Weist du was? Sehr gut sogar!

Warum? Weil es hier gelingt, trotz Unterschiede, gemeinsam einen Weg zu gehen, und dass jeder den Freiraum auch hat, den er braucht.

Na ja, meine Mitschwestern freuen sich, wenn um 9 Uhr am Abend Besuch auftaucht, ich Popcorn mache und wir uns einem Film anschauen.

Dass das etwas spät wird, kann sich jeder ausrechnen.

Und am nächsten Tag, da sagen sie mir, dass sie hinter mir stehen, es toll finden, dass ich mit jungen Leuten in Kontakt bin und dass sie wünschen, dass das auch weiterhin so ist.


Ich muss schon sagen, dass das sehr berührend für mich war.

Das ist für mich Gemeinschaft. Das Gefühl, verstanden zu werden, respektiert zu werden in meiner Persönlichkeit und den Freiraum zu bekommen, 23 zu sein.

Und dann doch wieder ganz da zu sein in der Gemeinschaft, die vom Gebet und unserem Charisma geprägt ist.

Ich danke Gott dafür, dass mein Leben jetzt so ist wie es ist. Es war ein steiler Weg dahin, aber letztlich zahlt sich das Vertrauen in Gott nur aus.

Ordensleben ändert sich. Die Menschen ändern sich.

Die jungen Schwestern bringen ganz anderes mit.

Neues. Modernes. Und entdecken altes für sich.



Was ist dein Bild vom Ordensleben?

Hörst du auch zu fluchen auf in der Gegenwart einer Schwester?

Ist das Bild von Schwestern für dich behaftet von Erfahrungen aus deiner Schulzeit? Negativ vielleicht?

Oder hast du gar keine Ahnung?

Oder sind wir eh nur Spinner?

Puh, was für ein inhaltsschwerer Blogbeitrag.

So gar nicht taufrischunterwegs 🙂

Oder doch?
Na, zum Schluss gibt es schon noch die fröhlichen Schwesternfotos, wie man von mir gewohnt ist….😆🔝✌🏻️💪🏻👍🏼

Ein Selfie von der Feier der Erstprofess von Sr. Gertraud Johanna von den Kreuzschwestern..

….der Herr ist meine Kraft und Stärke….

…das neue Juniorat startet…

…noch ein wenig unscharf, dafür voll motiviert….

…Ordenstag am Hongar…

….Überraschungsausflug zum Bauerngolf…..

…und zuletzt: schon traurig, wie heutzutage versucht wird, Jesu Wirken zu behindern…. 😆 ich meine, welcher Schaden kann schon beim „betreten“ eines Teiches entstehen? 😅🔝👍🏼👣


Und mit diesem Rätsel verabschiede ich mich wieder!

Pace e bene!

Sr. M. Ida

3 Kommentare

  1. Andrea Hubl · Oktober 1, 2016

    Meine Freundin ist vor 3 Jahren, 7 Monaten und 6 Tagen gestorben. Ich war schon lange nicht mehr gläubig. Bestimmt 25 Jahre oder länger. Mit der Jugendzeit hat es sich verloren. Und dann war ich am Sterbebett meiner Freundin Petra. Sie war 36 Jahre alt. Und ich fuhr in die Kirche, um für sie zu beten….. So fing mein Weg an. Und ich fand einen verständnisvollen, lieben Pater im Internet.Und er wurden über die Zeit mein Vertrauter. Wir lernten uns persönlich kennen und einen wunderbare Freundschaft ist daraus entstanden. Ich durfte Gott finden! Und einen lieben Begleiter und sehr guten Freund. Dank sei Gott! Und Gott beschütze unsern Freund!

    Wir gehen ganz normal miteinander um! Er ist der tollste “ Opa “ den ich mir, für unsere beiden Kinder, wünschen könnte!

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  2. Herzog Karin · Oktober 2, 2016

    Liebe Sr. Ida
    Ich freue mich immer wieder über Beiträge aus Ihrem Ordensleben; sie sind so herrlich offen, erfreuend und berührend! Herzlichen Dank!

    Gottes Segen Ihnen und Ihren Mitschwestern!

    Liebe Grüsse aus der Schweiz,
    Karin Herzog

    Gefällt 1 Person

  3. Heike · Oktober 3, 2016

    Ich finde es immer berührend wenn junge Frauen diesen Weg gehen….Mein Glaube ist durch schlimme Erfahrungen ein paar mal wirklich auf die Probe gestellt worden und auch schwer erschüttert worden. Letztendlich finde ich immer wieder den Weg zu Gott.Im Kloster zu leben hat für mich den Vorteil, durch den Wahnsinn des Alltags nicht so abgelenkt zu werden.
    Ich frage mich aber auch…Wie verdient ihr euren Lebensunterhalt? Seit ihr berufstätig.?
    Ich wünsche ein erfülltes Leben und Gottes Segen

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