Das Schweigen der Schwestern :)

10 Tage schweigen, 10 Tage ohne Handy, 10 Tage nur für Gott….Geht das?

Ja, es geht.

Auf dieses Abenteuer haben wir, Sr. Julia und ich, uns eingelassen.

Ich habe jeden Tag ein Foto und ein wenig Text, vielleicht kann man sich ein wenig in diese sehr persönlich Zeit mit sich selber und Gott einfühlen 🙂
1. Tag


Wir kommen an im Franziskanerkloster in Maria Enzersdorf, haben Wien noch ein wenig erkundet, und ich schalte mein Handy aus, nachdem ich meinen Whatsapp Status in „schweigt“ geändert habe.

Wie zum Abschied vibriert es noch mal.

Wird es mir fehlen?
2. Tag


Exerzitien sind wie das Leben im Schnelldurchlauf.

Ein langer Gang, an dessen Ende Christus wartet.

Links sind viele Fenster, man ist in Versuchung, hinauszusehen, die anderen zu betrachten und zu bewerten. So leicht geht Ablenkung.

Rechts sind viele Türen. Was ist dahinter? Sind es Sackgassen, andere Wege zum Ziel oder führen sie mich gar in die andere Richtung?

Und dann der Gang selber, ein bisschen krumm, eher dunkel und doch vom Licht durchbrochen.

Ich bin gespannt was die Tage mir bringen…..
3. Tag


Dialog bei der Anbetung

Ich:                     Ich werde jetzt beten.

Gehirn:              Und ich sag yeeeee…..

Ich:                      Die Stille ist wunderbar, ich werde jetzt auch still.

Gehirn:               …. Ab in des Süden, der Sonne hinterher, ey jo was geht, der Sonne   hinterher, ey jo was geht….

Ich:                      Ich bitte um Aufmerksamkeit, ich schweige!

Gehirn:               Sommer Sonne Sonnenschein Sommer Sonne Sonnenschein Sommer Sonne Sommer Sonne Sommer Sonne Sonnenschein…..

Ich:                       RUHE!!!

Gehirn:               Ja wir kommen wir kommen wir kommen machte euch bereit, wir packen unsre sieben Sachen in den Flieger ein….

Ich (resigniert): ich geh zuerst wohl noch eine Runde spazieren….

Eine halbe Stunde später war es dann möglich…. 🙂

(Wer diese wunderbare Lied nicht kennt…hier ist der Link dazu: Ab in den Süden 🙂 )
4. Tag



Die Fische im Teich der Franziskaner zu finden ist ein wenig, wie Gott in der Welt zu suchen.

Man hat gehört, es gibt sie, die Fische.

Doch man sieht sie nicht.

Die Versuchung ist groß zu sagen, ich sehe sie nicht, also gibt es sie nicht.

Man muss es den Franziskanern glauben.

Oder man weiß es eben, weil man sie einmal gesehen hat.

Zwischendurch schlägt das Wasser Wellen, das Futter wird weniger.

Ein Beweis, dass es die Fische gibt?

Oder Zufall?
Werden die „Wellen Gottes“ als Beweis oder Zufall gewertet?
(Ich habe die Fische übrigens gesehen. Je später in den Exerzitien, desto öfter…. 😇, jetzt bin ich als eine Zeugin dieser Fische 😇😂)
5. Tag


„Und Gott sprach: Das ist das Zeichen meines Bundes, den ich stifte zwischen mir und den lebendigen Wesen bei euch für alle kommenden Generationen: meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und der Erde.“ Genesis 9,12-13

6. Tag


So langsam beginnt sich die Türe zur inneren „Klausur“ zu öffnen, der Bereich, in dem man selber vielleicht nicht immer Zutritt hat. Gott ist schon da.

Dazu eine kleine Geschichte aus den Texten von Br. Stefan:

Ein Vater geht mit dem kleinen Sohn in die Berge. Unterwegs sagte er zu seinem Jungen: „Ich möchte dich lehren, alle deine Kräfte zu benutzen!“ Der Kleine stimmt neugierig und begeistert zu. Der Vater sagte:“ Also….stemme dich gegen diesen Felsen hier und bringe ihn dazu, in diese Mulde hineinzurollen!“ Der Sohn stemmte sich mit aller Kraft gegen den Felsen, wird vor Anstrengung ganz rot im Gesicht, schafft es aber nicht. Enttäuscht gibt er auf. Da sagte der Vater aufmunternd zu ihm: Ok. Ich habe dir gesagt, du sollst lernen, ALLE deine Kräfte zu benutzen. Aber du hast noch nicht alle benutzt. Warum hast du mich nicht gefragt, ob ich dir helfe?“ Und mit vereinten Kräften rollen sie den Stein in die Mulde.


7. Tag

„An jenem Tag wird für das Haus David und für die Einwohner Jerusalems eine Quelle fließen zur Reinigung von Sünde und Unreinheit“

Sacharja 13,1


8. Tag

Wir gehen (oder fahren) auf eine Wallfahrt….

Im Neuberger Münster feiern wir, zwei Brüder und zwei Schwestern, an einem Seitenaltar die Messe, und Sr. Julia und ich erneuern unsere Gelübde.

Wir sagen JA zu unserem gewählten Lebensweg….

Danach auf nach Mariazell, Mittagessen, für alle beten, denen ich das Gebet versprochen habe!

9. Tag

„Wenn ich bei mir anklopfe, bin ich zuhause?“
10. Tag


Die Exerzitien sind  zu Mittag zu Ende, wo sind die neuen Triebe?

Wir werden sehen!

Ich bin nur dankbar für diese Zeit!

Gott beschenkt reich!

Am Nachmittag haben wir noch die Klarissen in Maria Enzersdorf besucht, es war ein sehr netter Austausch!

Und so gestärkt werden wir uns wieder auf den Weg in spannende Ordensleben machen 🙂

Pace e bene!

Sr. Ida

Ps: auch wenn man schweigt, müssen manche Dinge gesagt werden 😅

3 Kommentare

  1. Br. Rufino · Juni 23, 2016

    echt tolle Exerzitien-Revue 🙂 dir und Juli Gottes Segen

    Gefällt 1 Person

  2. Motetus · Juni 24, 2016

    Super Blog – danke! Schön, dass der Geist weht wo und wie er will. Gruß und auch von mir Segen!

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  3. Sr. Johanna Pobitzer · Juni 27, 2016

    Extra-Danke für „Ab in den Süden“! …und kommt gut wieder im Alltag an.

    Gefällt 1 Person

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